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SWCP — Jurassic Coast
Auf dem South West Coast Path entlang der Südwestküste Englands — von Exmouth nach Lulworth Cove
1.014 km (630 Meilen) ist er lang, Großbritaniens längster ausgeschilderter Fernwanderweg. Er schlängelt sich entlang der südwestenglischen Küste und führt durch die Grafschaften Somerset, Cornwall, Devon und Dorset.
Im 19. Jahrhundert konzipierte die Küstenwache eine Route, um dem damals florierenden Geschäft der Schmuggler Einhalt zu gebieten. Heute ist der South West Coast Path (SWCP) einer der offiziellen National Trails und Teil des King Charles III England Coast Path - und vermutlich deshalb als Coast Path ausgeschildert.
Bereits 2024 war ich für gut eine Woche in Cornwall auf dem Coast Path unterwegs. Im März 2026 kehrte ich zurück. Eine Woche Resturlaub musste bis Ende des Monats verbraten werden, und ich hatte Lust auf weite Blicke, viel Grün, gemütliche Pubs, Cream Tea und ein versprochenes Mikroklima. Ziel war die Jurassic Coast, ein Küstenabschnitt, der 2001 zum Weltkulturerbe ernannt wurde.
Ankunft in Exeter
Hamburg - Köln - Brüssel - London - Exeter. So sieht heute, Freitag, 20. März 2026, mein Tag aus. Noch nicht zu Fuß, im Wesentlichen mit dem Zug. Nicht über Berge, sondern durch den Tunnel: Zum Ersten geht's mit dem Eurostar nach London.
Die Woche war mental anstrengend. Auch wenn ich mich seit Wochen auf Natur und neue Eindrücke gefreut habe, so hätte ich heute Morgen auch gut den Tag mit einem Buch und schöner Musik im Bett verbringen können.
Wie auch immer, nun sitze ich im Zug, die Sonne blinzelt durch das kleine Fenster, und ich bin sehr dankbar, dass ich hier sein darf. Ich lasse mich mit ein paar Podcast-Folgen durch die Lande rollen und komme auf meiner Reise langsam an.
In Brüssel habe ich für ungefähr zwei Stunden Verspätung vorgesorgt. Tatsächlich sind es nur 10 Minuten. Ich habe zwar ein Interrail-Ticket, mit dem ich an vier Tagen in einem Monat reisen darf. Für den Eurostar benötigt man jedoch eine Platzreservierung, die deutlich teurer ist, als man das von unseren herkömmlichen Zügen kennt. Ich könnte theoretisch auf einen früheren Zug umbuchen, jedoch muss dann auch für Interrail-Pass-Inhabende ein Platz verfügbar sein - und ich müsste einen Aufpreis bezahlen.
75 Minuten vor Abfahrt beginnt der Check-in. Es ist ein bisschen wie am Flughafen: Sicherheitskontrolle, Passkontrolle, ein Foto von meinem Gesicht, das volle Programm. Den Einreise-Permit muss man sich vorab besorgen, das war aber einfach per App zu erledigen.
Ein bisschen aufregend ist es dann schon, als der Eurostar losfährt. Hinter mir wird ehrfürchtig vom Tunnel gesprochen. Der Monitor erklärt, die Röhre sei 100 m unter dem Meer. Gut 20 Minuten ist es dunkel, aber das Wichtigste: er ist dicht.
Insgesamt dauert die Fahrt „rüber“ nur zwei Stunden und unterwegs sparen wir dank der Zeitumstellung sogar noch eine davon.
So gut mir die entspannte Anreise auch gefällt, die letzte Stunde bis Exeter zieht sich dann doch ziemlich, aber immerhin komme ich noch am selben Abend an.
Eine kurzer Spaziergang durch Exeter führt mich in meine Unterkunft. Unterwegs treffe ich jede Menge kreischende Jugendliche. Die Kleidung ließe eher vermuten, wir seien der Jahreszeit um einiges voraus. Aber hey, es ist Freitagabend – Wochenende!
Tag 1 — Exmouth — Sidmouth
Um 6 Uhr klingelt schon wieder der Wecker. Immerhin 7,5 Stunden geschlafen. Ich nehme den Zug um 7:50 Uhr und bin um 8:20 Uhr in Exmouth, dem Start meiner diesjährigen Wanderung. Ungefähr 115 km habe ich in dieser Woche insgesamt vor mir.
TourenprofilExmouth — Sidmouth
- Distanz
- 20,7 km
- Dauer
- 5:50 h
- Bergauf
- 380 m
- Bergab
- 380 m
Höhenprofil
- Tiefster Punkt
- 140 m
- Höchster Punkt
- 340 m
Der heutige Weg soll nicht allzu schwierig sein. Die 20,5 km, rund 500 Höhenmeter rauf und runter beeindrucken mich trotzdem. Aus gesundheitlichen Gründen bin ich länger nicht mehr sechs oder sieben Stunden unterwegs gewesen, aber ich werde es gemütlich angehen.
Der Weg verspricht die erste Steilküste, kurz hinter Exmouth beginnt offiziell die Jurassic Coast.
Direkt neben dem Bahnhof ist praktischerweise ein Supermarkt. Ich decke mich mit Scones und süßen Teilchen fürs Frühstück ein und Brot und Käse für die Jause. Den Fährhafen von Exmouth verpasse ich, da ich vom Bahnhof nicht zum offiziellen Beginn der Etappe laufe, sondern auf kürzestem Weg an die Küste.
Bevor es aus dem Städtchen rausgeht, werfe ich noch einmal einen Blick auf die weiße Häuserfront der Esplanade. Der Küstenpfad führt mich alsbald an dem ersten Holiday Park vorbei, einem dieser Caravan Parks, die mir im Laufe der Reise immer mal wieder begegnen werden. Für mein Auge müssten die da nicht wirklich sein. Ich denke immer wieder darüber nach, wie es wohl ist, in so einem Caravan-Dorf Ferien zu machen. Es wirkt irgendwie etwas absurd. Aber ich sehe tatsächlich Leute dort.
Budleigh Salterton ist mein erstes Etappen-Zwischenziel. Ein hübscher Ort der, wie so oft, wenn ich durch einen Ort laufe, am Ende einen erneuten Anstieg auf ein Cliff-Top verspricht.
Kurz darauf führt der Weg entlang eines Naturschutzgebietes an der Mündung des Flusses Otters etwas landeinwärts um dann wieder zur Küste zurückzukehren.
Das Guidebook erklärt mir, der Küstenstrich sei bekannt für Schmuggelei, Ortsbezeichnungen wie Brandy Head und Danger Point weisen darauf hin.
Es folgt noch einhmal ein Anstieg zum High Peak bevor es dann am frühen Nachmittag runter nach Sidemouth geht.
Sidmouth ist ein hübsches Seebad, bekannt durch seine Regency-Architektur. Kurz nachdem ich in den Ort reinlaufe, komme ich an dem ein oder anderen mondänen Hotel aus vergangenem Jahrhundert vorbei. Meine bescheidene Bleibe ist jedoch auch ganz hübsch. Doch bevor ich einchecke, will ich noch die letzten Sonnenstrahlen in einer der Strandbars genießen.
Als ich am Abend in den Speisesaal meines kleinen Hotels komme, muss ich etwas schmunzeln. Der Altersdurchschnitt liegt ungefähr bei 80. Aber die Stühle sind saubequem und die Musik gemütlich. Ist mir alles egal heute. Das Menü klingt saulecker. Danach falle ich um und mein Körper in einen traumlosen Tiefschlaf. Aus die Laus.
Bevor dies jedoch passiert, mache ich mir geringfügig bis mittelprächtig Sorgen angesichts meiner für Dienstag und Mittwoch geplanten Zeltnächte. Wenn ich da abends auch so fertig bin und dann kein Abendessen bekomme... oh je. Die Wetteraussichten stellen außerdem leichten Regen und niedrige Temperaturen in Aussicht. "Pazzo", ein Wander-Profi aus der Schweiz, macht mir jedoch via Messenger Mut. Eigentlich sollte ich auch gar nicht so viel darüber sprechen, denke ich kurz vor dem Einschlafen – denn sonst kann ich im Zweifel nicht mehr „kneifen“. Das Wichtigste ist jedoch erst mal: Die ersten 20 km habe ich gerockt!
TBD